Alice im Wunderland
Henri07. März 2010, 19:57 Uhr
Film & Fernsehen - Geile Sachen mit Kindern.

Bevor ich in den Film gegangen bin, habe ich alles mögliche versucht, um mich davon nicht zu sehr hypen zu lassen (vor allem um eine zu große Enttäuschung zu vermeiden).
Doch bei den großen Namen fällt das verdammt schwer. Tim Burton. Alice im Wunderland. Johnny Depp als Mad Hatter… Eine bessere Kombination kann es doch garnicht geben…
Doch bei all den positiven Vorraussetzungen, gab es einiges zu bemängeln an diesem Film.
“Alice im Wunderland” war schon immer abseits jeder normalen Kindergeschichte.Aber warum kann das Wunderland nicht so gemütlich und harmlos sein wie andere Kinderwelten? Warum hat die Grinsekatze solche für Kinderbücher- und Filme untypischen Charaktermerkmale?
Tim Burton weiß eine Antwort darauf…
“Alice” sollte nie eine Kindergeschichte sein. Die Geschichte funktioniert viel besser als eine Art erwachsene Halluzination, die Burton wunderbar interpretiert und darstellt, indem er Mut beweißt und die eigentlich 6jährige Alice als eine junge 19-jährige Frau darstellt.
Burton und seine Drehbuchautorin, Linda Woolverton, schaffen es damit, die ja allen bekannte Geschichte etwas aufzufrischen, indem Alice (Mia Wasikowska) als 19jährige, auf einer Gartenparty, eigentlich mit dem snobig-schnöseligen Lord Hamish (Leo Bill) verheiratet werden soll. Sie entscheidet sich jedoch davon zu laufen und folgt dabei einem weißen Hasen in ein Loch, das sich zurück ins Wunderland bringt, an welches sie sich nur schwach erinnern kann und nun von der bösen roten Königin (Helena Bonham Carter) regiert wird, die ihre gute Schwester, die weiße Königin (Anne Hathaway), vom Thron gestoßen hat.
Schon zu Beginn verläuft der Film eher schleppend. Die Gartenparty, mit völlig überzogenen Charakteren überzeugt nicht wirklich, und scheint eine zu einfache Rechtfertigung zu sein, um das Wunderland als Ort des Entfliehens zu etablieren. Auch die erste Begegung mit dem aufwändig gestalteten Wunderland ist für den Kinozuschauer zunächst ernüchternd. Erst durch die in der Handlung immer wieder auftretende Detailsverliebtheit Burtons, gewinnt die Fantasie-Welt an ihrem Reiz.

Die Figuren haben zwar ihre Macken, wie es bei einer Alice im Wunderland Verfilmung zu erwarten ist, aber es ist nicht diese völlig durchgeknallten Charaktere, die man sich erhoffen würde. Vielmehr schien man darauf bedacht zu sein, die Story, deren Ende schon zu Beginn völlig offensichtlich war, in den Mittelpunkt stellen zu wollen.
Zwar hat man die typischen Tim Burton-Momente, die einem Kopfschmerzen bereiten können und einfach nur wunderbar skurill sind. Doch hätte man erwarten können, das er sich gerade an solch einer Vorlage richtig austoben würde, mit verrückten Ideen. Das Gegenteil ist der Fall, die Verrücktheiten, die vor allem von der Roten Königin und dem Mad Hatter (Johnny Depp) ausgehen, werden zu oft von der eher lahmen Abenteuerhandlung gebremst, die ihren Tiefpunkt in der total überflüssigen und sehr fantasielos dargestellten Endschlacht erlebt.
Man darf den Film jedoch nicht als völliges Debakel hinstellen, doch mit großem Namen folgt große Verantwortung und dadurch auch größere Kritik, wenn was schiefläuft.
Alice im Wunderland bringt in seinen besten Momenten nämlich immer wieder etwas vom alten verrückten Charme der Vorlage zurück und letzten Endes war das Design der Welt im wesentlichen sehr ansprechend. Den ganzen Hardcore Burton/Depp-Fans wird es sowieso gefallen. Aber die Erwartungshaltung bei etwas neutraleren Cineasten mit kritischem sollte gedämpft sein, denn Burton hat es leider nicht geschafft die verrückte Welt von Lewis Caroll durchgehend zufriedenstellend auf die Leinwand zu bringen. Zu sehr war er von der Idee überzeugt, etwas das als eine verrückte Serie von Ereignissen wunderbar funktioniert hat, als klar strukturierte Story darzustellen.
Wertung: 3 von 5 Verrückten Hüten.



RSS FEED
BLOGLOVIN'