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Talking ’bout my generation

Johanna
12. November 2009, 19:03 Uhr
Allgemein - Politik & Weltgeschehen

peace

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Gestern las ich auf indigoidian einen Artikel, der sich damit beschäftigt, ob es eine Definition, einen Soundtrack gibt für unsere Generation. Franzi hat mit dem Artikel vielen Lesern des Blogs aus dem Herzen gesprochen, was man an der regen Resonanz erkennt. Sie bezeichnete dort unsere Generation als “MGMT”- Generation. Weil ich ihr in manchen Punkten nicht zustimme, oder gerade weil ich ihr in vielen Punkten zustimmen muss, hier meine Antwort.

Ich zitiere:

Jede Generation hat ihren Druck. Früher hatte man noch echte Probleme. Wir schaffen sie uns mittlerweile größtenteils selbst.

Sehr treffend hat ein Leser dazu ein Zitat aus Fight Club angefügt:

“Unsere Generation hat keine große Depression, keinen Krieg. Unser Krieg ist spirituell. Unsere Depression ist unser Leben.

Es ist tatsächlich so, dass ich diese Ratlosigkeit, diese Ziellosigkeit in unserer Mitte immer spüre. Und ich glaube auch, dass genau diese Ziellosigkeit das ist, was uns anspornt, uns an Vergangenes zu hängen. An Hippieklamotten, Vintage- Fotos und an Musik wie die von MGMT. Weil wir die Generationen vor uns um das beneiden, was wir heute nicht haben: Ziele. Damals gab es noch etwas, wovon man sich emanzipieren konnte: Eltern, Staat, Unfreiheit. Heute sind wir frei, aber nicht glücklich, meistens nicht mal zufrieden. Und das, obwohl es selbst heute noch genug gäbe, wofür es sich zu kämpfen lohnen würde. Wir sind die immer meckernden Hamster im Speck des Kapitalismus. Und wir lieben den Konsum, selbst wenn es manche von uns nicht wollen. Weil er uns immer wieder glauben lässt, das was wir tun führt zu irgendwas, aber wir enden immer da, wo wir angefangen haben. Zusätzlich sind wir die erste Generation, die “weltweit” aufwächst, wir sind quasi die Betatester eines Lebens mit Internet, wir sind die ersten, die es nicht anders kennen. Und das macht uns zu was extrem besonderem und einzigartigem, weil wir als erste damit klarkommen müssen, mit diesem Meer an Möglichkeiten, was zwar ein Segen ist, aber manchmal auch alles nur komplizierter macht.

Wir haben alle den immerwährenden Drang, die Zeit nur zu nutzen, die wir haben. Leben, nicht existieren. Das Jungsein nutzen, solang es noch geht. Niemals alt werden. Und wir vergessen dabei völlig, mal zu überlegen, ob wir das selbst überhaupt wollen. Der Drang, am Wochenende zu Hause zu bleiben, ist heute ähnlich einem Verbrechen. Viel Zeit zum Denken bleibt uns nicht, weil die Ideale heute nicht mehr mit Denken zu tun haben, sondern mit Handeln. Erleben ist das was wir wollen, konsumieren ist das was wir tun.

Franzi sagt treffend:

Wir sind die, die Angst davor haben, dass die Summe der Tage, Wochen, Monate und Jahre, die wir erleben, am Ende nur pure Existenz ist, Alltag, aber kein Leben, nicht so intensiv, wie wir es gerne hätten. Weil wir jeden Tag sehen wie es “sein könnte”, aber uns nie sicher sind, ob ein Unterschied besteht zwischen dem Leben der anderen und unserem eigenen.

Eine kleine Textstelle hat mir an Franzis MGMT- Beitrag nicht gefallen, weil er nämlich nur eine ganz bestimmt Jugendkultur anspricht, nämlich die, die auch versuchen, diesen Drang nach leben und erleben zu verstehen und verbunden mit Denken, nicht nur mit Handeln, auszuleben, die “Neonleser”:

Wir sind gelegentlich bisexuell, fotografieren gern, lesen die NEON, hassen sie aber eigentlich, denn sie ist die Wendy der Indiekultur. Ich glaube, das war mal ein twitter-Zitat von martonos. Überhaupt… twitter.  Wir sind twitter. Und das ist großartig, dann aber auch wieder nicht.

Da muss ich nämlich beneinen. Ich denke, nein ich weiß, dass viele in meinem Alter von Neon und twitter und Internetcommunity und MGMT gar nichts wissen wollen, und trotzdem gehören sie zu diesen Ratlosen, die sich dem Strom des Erlebens hilflos hingeben. Nur eben nicht mit MGMT und der Neon, sondern mit House und Counterstrike. Oder sowas Ähnlichem.

Im Endeffekt haben wir alle das Selbe Problem: Irgendwas fehlt. Irgendwas muss früher anders gewesen sein. Man spürt es schon beim Angucken von 3sat-Dokus über die Jugendkulturen der 60er, 70er oder 80er. Irgendwas hat die jungen Menschen damals immer verbunden und geeint, ein Lebensgefühl. In den 60ern war es der Drang nach Frieden und Gerechtigkeit, ein Ziel, dass man nur gemeinsam erreichen kann. Heute ist es unser Drang nach Selbstverwirklichung und Zufriedenheit, ein Ziel, dass man leider nur alleine erreichen kann.

Wir sind Alkopops, wir sind 5,0, wir sind Frauenarzt, wir sind G8 und wir sind Bachelorabschlüsse. Wir sind die, von denen es später so viele Bilder ihrer Jugend geben wird, dass unsere Kinder die sich niemals angucken wollen werden. Wir sind facebook und wir sind SchülerVZ. Wir sind die, die all das haben, wofür unsere Eltern damals gekämpft haben. Und wir sind die, die sich irgendwie fragen, ob das alles gewesen sein soll.


 
 
 

Kommentare ( 5 )

Till sagt am 12. November 2009, 19:28 Uhr :

wow. beeindruckend.
mir fehlt das gemeinschaftsgefühl teilweise auch. damit meine ich aber nicht irgendeine gemeinschaft. in zeiten meiner eltern erscheint es, als wäre es irgendwie einfacher gewesen den großen sinn und die gemeinschaft zu finden.

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Franzi sagt am 12. November 2009, 22:52 Uhr :

Johanna, großartiger Beitrag, ich ziehe meinen Hut. Und ich weiß was du meinst (bezüglich der Sache, dass es auch Leute gibt, die sich nicht mit dem ganzen Zeug identifizieren). Die gibt es in meinem Umfeld eigentlich auch, aber ich finde bei denen ist die Selbstdarstellung eine andere, deswegen fanden sie bei mir keine Erwähnung. Am Ende läuft aber alles auf dasselbe hinaus.

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Sue sagt am 13. November 2009, 03:03 Uhr :

Ich geb dir vollkommen Recht; ernsthaft.
Das trifft es auf den Punkt; wir haben nichts mehr wofür wir wirklich kämpfen können; stattdessen streben wir den Zielen vergangener Generationen hinterher nur um uns irgendwie profilieren zu können.
Spannender Beitrag :’D
?

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stiller sagt am 13. November 2009, 10:23 Uhr :

Schöner Beitrag. Trotzdem weiß ich nicht, ob uns das Fernsehen nicht auch Illusionen der 60er, 70er oder 80er-Jugend vorspielt. Ich weiß nicht, ob es da dieses umfassende Gemeinschaftsgefühl gab, dass wir immer sehen. Oder ob nicht in 20 oder 30 Jahren auch über unsere Zeit ein solches Portrait gestaltet werden kann, sei es in Demonstrationen gegen den Krieg im Irak, die Obama-Mania, Studentenproteste oder was immer noch kommen mag.

Es gibt ja dieses Kettcar-Zitat, “zu erkennen, dass man glücklich war, ist leicht, erkennen, dass man glücklich ist, ist Kunst.” Wenn man glücklich durch ‘besonders’ oder ein Synonym tauscht, könnte das auch verdammt wahr sein.

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Prezi-Fan666 sagt am 23. November 2009, 19:17 Uhr :

Hey… hört euch mal den Track “Miststück” von Prezident an, wenn ihr ihn findet. Is’n nettes Lied, das vielleicht auch schön hier rein passt.

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